Mythos 2: Ohne Atomenergie ist die Stromversorgung der BRD nicht möglich


Mythos:

Schaltet man die Atomkraftwerke ab, bleibt eine große Lücke zurück, die man (hier unterscheiden sich die einzelnen Argumentationen) entweder garnicht schliessen kann, und es wird dann irgendwann dunkel in der BRD oder (Argumentation 2) man muss dafür ganz viele schmutzige Kohlekraftwerke bauen.

Kommentar:

Klingt erstmal plausibel: Mit Hilfe von Kernspaltung kann man sehr viel Energie gewinnen. Fallen die AKWs weg, müssen diese natürlich ersetzt werden. (Oder halt entsprechend weniger Strom “verbraucht” werden).

Die Wahrheit:

Bei dieser Argumentation wird suggeriert, dass in der BRD Unmengen an Strom von den AKWs produziert wird. Dies ist jedoch nicht der Fall. Dazu schauen wir uns mal ein paar Zahlen an:

In Deutschland sind derzeit 17 Reaktorblöcke am Netz. Jeder dieser Reaktorblöcke hat eine maximale Nettoleistung zwischen 840 und 1410 Megawatt. Diese Rekatoren werden jedoch nicht immer auf voller Leistung gefahren und sind auch nicht immer “on-line”. Insbesondere wenn es im Sommer heiss wird, müssen AKWs immer wieder in ihrer Leistung gedrosselt werden, um eine Überhitzung von Gewässern, die zur Kühlung verwendet werden, zu vermeiden. Insgesamt ergibt sich daraus eine Verfügbarkeit, die irgendwo zwischen 70 und 80% liegt.

Auf den Strommix schlägt sich das dann folgendermaßen nieder:

Wie man sieht, hatte die Atomenergie im Jahre 2009 einen Anteil von 22,6% am Strommix in der BRD, also gerade mal etwas mehr als ein Fünftel. Natürlich ist es nicht schön, dass fast die Hälfte des Stroms aus Kohlekraftwerken kommt, allerdings geht es hierum im Moment garnicht.

Auf jeden Fall sollte klar sein, dass es keinesfalls unmöglich ist, die Kernkraft durch eine andere Technologie zu ersetzen.

Übrigens: Zählt man die Regenerativen Energien zusammen kommt man in dem Diagramm auf über 15%. Im Vergleich dazu: 1995 war es gerade mal ein Zehntel davon!

Es gibt also viele Möglichkeiten, die AKWs zu ersetzen:

a) Regenerative Energien auf einen Anteil von 37% Ausbauen (entspricht also etwas mehr als einer Verdoppelung der Anlagen).

b) Regenerative Energien auf einen Anteil von 27% ausbauen und 12% Energie einsparen oder die Gaskraftwerke um 12% ausbuaen.

c) Regenerative Energien so lassen wie sie sind, und 22,6% Energie einsparen.

Oder:

Regenerative Energien auf 75% ausbauen, und die Kohlekraftwerke gleich mit abschalten. ;-)



Mythos 1: Der Strombedarf der BRD steigt von Jahr zu Jahr an!


Mythos:

Aufgrund von immer mehr Computern und immer mehr Technologie steigt der Strombedarf von Jahr zu Jahr an. Atomenergie ist die einzige Technologie, die in der Lage ist, überhaupt genug Strom zu liefern.

Kommentar:

Dieses Argument wird immer wieder gerne gebracht, um zu begründen, warum sich nur mit Atomenergie der Strombedarf der BRD decken liese. Auf den ersten Blick erscheint das ja auch logisch, da wir immer mehr Geräte anschaffen, die elektrisch betrieben sind: Computer, Laptops, Spielekonsolen, Settop Boxen etc.

Die Wahrheit:

In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass der Strombedarf der BRD seit über 30 Jahren nahezu konstant bei ca. 15 000 PJ liegt. Aufgrund von bestimmten Einflüßen wie dem Klima und z.B. der Wirtschaftskriese letztes Jahr schwankt der Bedarf immer wieder im einstelligen Prozentbereich. Eine deutliche Zunahme ist jedoch nicht erkennbar. Im Gegenteil: Im Vergleich zu 1980 hat der Strombedarf in den letzten Jahren sogar abgenommen!

Woher kommt das? Nun, zunächst einmal ist es so, dass die Privathaushalte gerade mal einen Anteil von ca. 27% am Strombedarf haben. Dazu kommt, dass die Spielekonsolen, Fernseher etc. eben gerade nicht die Großverbraucher im Haushalt sind. Dies sind nämlich eher Dinge wie Beleuchtung, Heizung, Elektroherd (Eine Stunde kochen mit 2 Herdplatten braucht in etwa soviel Strom wie 12 Stunden Computerbetrieb!) etc. Und da hat sich prinzipbedingt in den letzten 30 Jahren nicht so viel geändert (Bei der Umwandlung von elektrischer Energie in Wärmeenergie gibt es jetzt nicht soooo viel Einsparpotential).

Bei der Beleuchtung dürfte sich die zunehmende Verbreitung von Energiesparlampen positiv Auswirken. Und auch beim Fernseher dürfte die zunehmende Verbreitung der TFT-Technologie zu einer signifikanten Einsparung auswirken.

Wie auch immer: Die Aussage, dass der Strombedarf in der BRD jedes Jahr steigen würde gehört auf jeden Fall in das Reich der Legenden!



Fear, uncertainty and doubt: Mythen zur Atomenergie


Aus aktuellem Anlass:

Diskussionen um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken – oder dem “Ausstieg aus dem Ausstieg”, wie es so schön heisst, werden ziemlich schnell sehr emotional. Um eins vorneweg klarzustellen: Ich bin bestimmt kein “Öko”. Wo es sinnvoll ist, versuche ich Umweltfreundliche Produkte zu kaufen, allerdings quäle ich mich auch nicht, und es muss nicht immer alles öko oder Bio sein.

Sinnvoll ist für mich z.B. dass unser Strom von Naturstrom kommt. Der ist nämlich immer noch billiger als der Tarif der Stadtwerke, der Laden ist kundenfreundlicher und der Strom kommt zu 100% aus regenerativen Energien. Ist doch eigentlich eine tolle Sache, oder?

Dieser Meinung ist leider nicht jeder. Um nochmal zur Atomenergie zu kommen: Hier werden leider immer wieder die selben dummen Argumente der Atomloby nachgeplappert, ohne sich selbst mal Gedanken zu machen, was daran wirklich dran ist. Ich möchte daher in einer kleinen Artikelserie die häufigsten Argumente aufführen und kurz dazu Stellung nehmen, warum ich diese für unsinnig halte.


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